Thomas Kleemann -„Realität ist heilbar“

Liebe Kunstfreunde, wir laden Sie herzlich zu unserer

Ausstellung „Realität ist heilbar“ mit aktuellen Arbeiten des Künstlers Thomas Kleemann ein.

Der Künstler ist anwesend.

Eröffnung: Sonntag, den 6.Oktober 2019 um 19 Uhr in unseren Räumen.

Thomas Kleemann, gebürtiger Schleswig-Holsteiner, studierte ab 1975 an der Universiät der Künste in Berlin Malerei bei Johannes Geccelli und Kunstpädagogik. Nach Ernennung zum Meisterschüler 1981 sowie dem 1.u. 2. Staatsexamen folgten Stipendien wie das Casa Baldi Stipendium der schleswig-holsteinischen Landesregierung in Olevano Romano, Italien oder das Karl-Hofer-Stipendium, Berlin.

Seit 1985 ist Kleemann freischaffend. Er lebt und arbeitet in Berlin und Melz/Müritz. In fast 100 Ausstellungen wurden Kleemanns Werke in Museen, Kunstvereinen, Galerien und auf Messen gezeigt. Arbeiten befinden sich in öffentlichen, Firmen- und privaten Sammlungen im In-und Ausland.Thomas Kleemann zeigt in seiner Malerei, die originäre malerische Fähigkeit, abstrakte Bildgefüge im Malprozess zu imaginiertem Realen zu verdichten. Diese Transformation lässt pastose, reliefartige Werke entstehen, die der Wirklichkeit Referenz erweisen, ohne dabei ihr ureigenes Bildsein zu verlieren.Das Erste, was beim Betrachten von Kleemanns großformatigen Werken ins Auge fällt, ist ein breiter, schraffurhafter Pinselstrich, bestehend aus satter weißer Binderfarbmasse und überkront mit Siliziumcarbid. Strukturen, Kerbungen, Reliefs mit allen Schattierungen der Weißgrau-Skala lassen vermuten, erkennen, verwerfen, wandeln und neu erkennen. Kurzum Kleemann ist ein Malerarchitekt, der eine dreidimensionale Räumlichkeit in der Fläche des Bildträgers zu schaffen vermag.

Dazu Dr. Klaus Nicolai: Dies hat etwas universal Bildsprachliches, das aber niemals in kalte Artistik oder beliebigen Ästhetizismus ausartet. Da gibt es durchaus Erinnerungen an surreale Bildkonstellationen,Traumszenen oder romantische Naturbilder –

aber: es greift keines dieser Klischees! Und das mag wohl daran liegen, dass hier eine erstaunlich kohärente „Klangdimension“ durchgängiges Prinzip ist. Es handelt sich um eine Geistigkeit, die noch über jeden Bild-Bruch und über jede Zerklüftung des Raumes im Sinne einer ästhetisch ausbalancierten Endzeitanmutung durchscheint: Die „Welt am Ende“ ist eine Welt, aus der alles werden kann, weil es die Welt der Menschen und damit des Menschlichen bleibt. Vielleicht wird diese Grenzsituation des Heutigen im Gemälde „Draußen am Bildrand I“am eindrücklichsten formuliert: Eine papiergestützte fragile Behausung auf einer schmalen zerborstenen Insel. Daran gelehnt ein Mensch mit Blick in den Himmel aus fast Nichts! Der Mensch im Transit, als Gestrandeter oder im Begriff, sich von allem abzuwenden, was bis dato sein Leben ausmachte…Man spürt ihn herüberwehen, einen „Zeitgeist“, den niemand erhofft hat – den aber alle insgeheim schon erwarten.( DNN, v. 21.02.2017 )

Dazu der ehemalige Ministerpräsident Schleswig-Holsteins, Björn Engholm – anläßlich der Retrospektive 2005 im Ostholstein-Museum, Eutin: „ Diese Bilder, die in keine Stil- und Richtungsschublade passen, können getrost als transversale Malerei betrachtet werden. Der Maler nutzt alles aus dem Fond der Malgeschichte, was ihm dienlich scheint, alles, was zu einer eigenen Bildsprache, zu unverwechselbarer Handschrift und hoher Qualität beiträgt. Und beides, eine idividuelle Malsprache und hohe kompositionelle Qualität zeichnen Kleemanns Bilder ohne Frage aus.“

 

Thomas Kleemann in eigener Sache

Dieser Sinnspruch stammt aus der Netflix-Serie „Maniac“, die die menschliche Psyche ergründet und in der die Protagonisten als Probanden einer Pharma-Studie Drogen ausgesetzt werden, die versprechen alle Neurosen, Depressionen und Traumata zu heilen. Die Darsteller befinden sich hierbei immer wieder zwischen Schein und Wirklichkeit.

 Dieser spekulative Satz  –  Realität ist heilbar. –  inspiriert in anderer, spezieller Weise auch meine Malerei.

Meine Arbeiten stellen nicht die heikle Frage wie Realität wiederzugeben sei – die Glaubwürdigkeitsfalle des Bildjournalismus im Zeitalter von Fake News – sondern: wie man eine solche herstellt.

Meine Bilder zeigen – von der Malerei erzeugte – Realität.

Die Werke bewegen sich im Spannungsfeld von Wahrnehmung und Erfindung.Sie illustrieren nicht die Welt da draußen, sie schaffen originäre Bildgefüge und bleiben dabei eng mit den bildnerischen Möglichkeiten auf der Bildfläche und deren Imaginationspotential verbunden. So entstehen pastose, reliefartige Werke, die der Wirklichkeit Referenz erweisen ohne dabei ihr ureigenes Bildsein zu verlieren.

Dahinter steht auch das Anliegen – dem Wahnsinn hässlicher, brutaler Bilderfluten, dem wir täglich ausgesetzt sind, durch die Malerei etwas Eigenes, Hoffnungsvolleres entgegen setzen zu wollen. So z.B. in der Serie: Optimisten des Willens. Hier habe ich nicht den eilfertigen Euphemismus( Susan Sonntag ) im Sinn, sondern viel mehr bemühe ich mich, in der Abstraktion des Bildgefüges eine autonome Bildwirklichkeit zu schaffen, die auch eine Idee der in Ungnade gefallenen Schönheit offenbart.

Es formen sich Bilder – keine Abbilder.

Und darin liegt ihre Chance, die Malerei zeigt der Welt: Realität ist heilbar.

Berlin, im Januar 2019

Thomas Kleemann

Die Bilder einfach anklicken um Sie in den original Proportionen zu sehen.